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Weinstand der Mainzer Winzer am Rheinufer
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Blog Domhof

Wolke Sieben, eine alte Synagoge und himmlische Genüsse im Domhof in Guntersblum

Die Gäste schlafen hier auf Wolke Sieben, wahlweise auch im Seitensprung. Wer mag, kann auch im Barrique-Lager logieren – in jedem Fall erwartet den Gast ein geräumiges, wunderbares Zimmer mit modernem Komfort in warmen Braun- und Lilatönen. Zwölf Zimmer klein ist das Hotel Domhof in Guntersblum, erbaut mitten im alten Ortskern der Weinbaugemeinde und gerade über die Straße vom Weingut Domhof, zu dem es gehört.

Dies ist wahrhaft historisches Gelände: 1754 sagt die Zahl über dem Eingang zum Weinkeller, doch die Hofanlage stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert. Dem Wormser Domkapitel gehörte der Hof einst, die große Scheune war einst die Zehntscheune für die Abgaben der Bauern. "Mein Ur-Urgroßvater hat den Hof gekauft", erzählt Alexander Baumann, Heinrich Schmitt war ein Rittmeister, ein angesehener Mann, 1874.

Es war der französische Kaiser Napoleon, der die Herrschaft der Kirche auch in Rheinhessen beendete, bis nach Paris mussten die "Domhofbeständer", di Verwalter des Anwesens fahren, um den Hof von den Franzosen zurückzukaufen. Von Napoleons Ehrenlegion war der Hof zur Auktion gegeben worden, die Guntersblumer ersteigerten sich das Anwesen zurück.

"Domhof" heißt es heute wieder, Alexander Baumann gab dem Weingut den alten Namen zurück. "Petrus, der Schutzheilige des Wormser Doms, zierte schon immer unser Wappen", sagt Alexander Baumann, "den Schlussstein am Hoftor und die Etiketten unserer Weinflaschen." Ja, sie atmen Geschichte hier auf dem Domhof, aber es ist nichts verstaubtes in dem frischen, klaren Riesling im Glas auf der modernen Theke des kleinen Hotels.

Zehn Hektar Weinberge bewirtschaften Alexander und seine Frau Chris Baumann, 35 Prozent sind Riesling, 18 Prozent Rotweine. Sauvignon Blanc haben sie hier, Scheurebe ebenso, der Spätburgunder reift in französischen Barriquefässern. "Ich habe immer gesagt, ich heirate nie einen Winzer", sagt Chris lachend, "das war mein fester Standpunkt." Doch dann traf sie auf dem Weinfest in Nierstein, Chris' Heimatort, diesen Jungwinzer aus Guntersblum... das Schicksal entschied anders.

Alexander machte seinen Weinbautechniker im fränkischen Veitshöchheim, 2004 übernahm das Ehepaar das Familienweingut. "Mein Vater begann mit der Flaschenweinproduktion", erzählt Alexander, während er eine weitere Flasche Riesling öffnet: Kalk, Löss und der rote Tonschiefer vom berühmten Roten Hang in Nierstein, das sind die Grundlage der Domhofschen Weine, perfekt für eine Weinprobe quer durch die Rheinhessischen Terroirs.

Wir vergleichen den frischen, mineralischen Riesling vom Kalk mit dem etwas breiteren, fruchtigen vom Roten Hang und reden über dieses wunderbare rheinhessische Weinland, das erst vor etwa dreißig Jahren Stil und Klasse entdeckte. Heute servieren sie hier Hummer-Nummern in vier Gängen mit den passenden Weinen dazu. "Mein Vater war einer der Pioniere", erzählt Alexander, der Sohn setzt heute ganz auf Genuss und Aromen.

Neben der neuen Vinothek bauten sie einen Aromagarten, wo die Hauptrebsorten neben Pflanzen wachsen, die ihr Aroma widerspiegeln: Zitronenmelisse, Thymian und roter Weinbergspfirsich neben dem Riesling, Himbeere, Brombeere und vanillige Verbene neben dem Spätburgunder. Im Sommer gibt es Weinproben im Garten mit Riechstationen an den einzelnen Punkten, erzählt Chris, 2010 gewannen die Baumanns dafür ihre ersten Best of Wine Tourism Award.

2018 holten sie den Preis zum zweiten Mal, dieses Mal für die Unterkunft. "Es gab einfach nicht genug Betten für unsere Gäste", sagt Chris, also bauten sie 2016 an Stelle des alten Flaschenlagers auf der anderen Straßenseite das schnuckelige kleine Hotel. Viele Kurzurlauber aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen hierher, erzählt Chris, Wanderurlauber – oder Hochzeitspaare. Im alten Pferdestall ist ein Standesamt untergebracht, und die alte Scheune beherbergt noch ein Geheimnis: "Dies war die Synagoge von Guntersblum", sagt Alexander, "und sie sollte in der Pogromnacht durch die Nazis niedergebrannt werden."

Sie hatten das Holz schon aufgeschichtet, als Alexanders Ur-Urgroßvater die Brandstifter stoppte – und die Synagoge kurzerhand kaufte. Heute ist in den alten Mauern der Weinkeller, nur die Galerie im Inneren erinnert noch an die frühere Aufgabe. "Es kommen immer mal wieder jüdische Besucher", sagt Chris, aber die jüdische Gemeinde habe das Gebäude nie zurückhaben wollen. Ein Hauch von Geschichte weht durch die alten Mauern, und vielleicht inspirierte das ja die Baumanns für ihr neuestes Projekt: "Wir bauen gerade einen Escape Room mit Weinrätseln", verrät Alexander, "natürlich unten im alten Weinkeller." Es ist der Keller mit der 1754 über dem Eingang.

Über die Bloggerin

Die Journalistin Gisela Kirschstein lebt seit 1990 in Mainz und ist unter anderem für ihre Website Mainz& ständig auf der Suche nach spannenden Themen aus Mainz und Rheinhessen. 2015 gewann sie den internationalen Bloggers' Contest der Great Wine Capitals.

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